Interview NOZ

MEIN JOB UND ICH

"Tanzlehrer über gestresste Bräute, Singles und Rocker mit Salsa-Faible"

Roman Andrzejewski leitet seit 2013 die Tanzschule „TanzArt“ in Lingen. Foto: Julia Mausch

 

 

MEIN JOB UND ICH

          

Lingen. Tanzlehrer im Emsland bringen ihren Schülern nur Walzer und Swing bei, Tanzpartnerbörsen sind eigentlich Datingportale und Männer haben eh keinen Hüftschwung. Stimmt das? In der Serie „Mein Job und Ich“ gehen wir Vorurteilen auf den Grund und haben mit Tanzlehrer Roman Andrzejewski aus Lingen gesprochen.

Herr Andrzejewski, jetzt mal ehrlich. 

 

Welchen Tanz können Sie gar nicht?

(lacht) Gute Frage. Zouk kann ich gar nicht.

 

(…) Zouk? Was ist das denn?

Weiß ich nicht, ich kann das ja nicht. Nein, Spaß beiseite. Zouk ist eine Art Latino-Tanz, geht ein bisschen in die Salsa-Richtung, aber ist vom Stil her was ganz anderes. Zouk wird sehr, sehr eng getanzt. Sieht sehr cool aus, aber ich hab das noch nie gemacht.

 

Und Sie sind schon als Kind immer der Erste auf der Tanzfläche gewesen?

Angefangen zu Tanzen habe ich wirklich erst mit 20 Jahren. Ich hab aber im Vorfeld jahrelang Kung Fu trainiert und gemerkt, dass mir Bewegungen ganz gut liegen. Und dann irgendwann auch die Liebe zum Tanzen entdeckt.

 

Ein Kung Fu-Sportler der Walzer tanzt - eine ungewöhnliche Vorstellung.

Im ersten Augenblick denkt jeder: „Moment mal, das eine ist Kämpfen, das andere ist Tanzen, das kann nicht passen.“ Kung Fu und Tanzen hat ganz viele Gemeinsamkeiten, denn beim Kung Fu geht es nicht primär ums Kämpfen, da geht es darum, sich körperlich fit zu halten. Es geht darum, Körperkontrolle zu lernen und genau das mache ich beim Tanzen auch.

 

Es gibt Trends bei der Kleidung, bei den Frisuren. Auch beim Tanzen?

Definitiv. Derzeit sind es zwei. Salsa gibt es schon relativ lange als Trend und mittlerweile ist West Coast Swing ganz, ganz stark im Kommen. Total genialer Tanz. Der Tanz kommt ursprünglich aus der Richtung Boogie Woogie und Rock ‚n‘ Roll. Wenn man aber sich als Laie dazu Videos anschaut, kann man das überhaupt nicht wieder erkennen. Die Musik ist viel moderner und du kannst fast zu jedem Lied den Tanz anwenden, egal du Rock- oder Blues-Fan bist.

 

Und was mag der Emsländer am liebsten?

Alle Regionen haben im Tänzerischen ihre Schwerpunkte. Im Emsland ist seit Jahr und Tag der Swing beliebt. Im Rest der Welt heißt er Disco Fox, warum es hier Swing heißt, kann ich mir nicht erklären (lacht). Kein Wunder, wenn du Discofox kannst, dann ist man auf der sicheren Seite, egal ob man auf einer Party, einem Jubiläum oder einer Hochzeit ist.

 

Sind denn Frauen oder Männer die besseren Tänzer?

Schwierige Frage, das kann ich gar nicht so ganz genau sagen. Aber was natürlich schon Fakt ist, bei unserer Tanzpartnersuche haben wir mehr Anfragen von Frauen, die einen Partner suchen, als von Männern.

 

Also ein Datingportal für Tänzer?

Wir haben eine Tanzpartnersuche, keine Partnerbörse (lacht). Was sich ganz häufig bildet, sind Freundschaften und Cliquen. Natürlich, manchmal verstehen sich die Leute mehr als gut. Eines meiner Tanzpaare heiratet bald und die Beiden haben sich hier durch Zufall gefunden.

 

Stimmt eigentlich das, was im Fernsehen immer gezeigt wird: Die Frau schleift ihren Verlobten in Tanzstudio, damit der Hochzeitstanz geübt wird?

Ich hab häufig Anfragen für Privatstunden, damit der Hochzeitstanz einstudiert wird. Und ganz häufig ist es natürlich so, dass Er nicht will, aber Sie dafür umso mehr. Aber kein Problem, wir bekommen es meistens hin, dass er nach kurzer Zeit auch Spaß daran hat und mit einem Lächeln den Raum verlässt.

 

Und was machen Sie, wenn der Wunschtanz unrealistisch ist?

Klar, wenn jetzt ein älteres Pärchen kommt, das unbedingt Rock ‚n‘ Roll und Hebefiguren lernen will und ist nicht so fit, dann wird das sicherlich kompliziert. Aber solche Wünsche und Vorstellungen erlebe ich eigentlich gar nicht im Alltag. Meistens ist es so, dass die Leute sich eher unterschätzen. Ich hatte mal ein Pärchen, das kam zwei Wochen vor der Hochzeit zu mir. Er war ein richtiger Rockmusiker und der wollte Tango lernen. Das konnte man sich zuerst auch nicht vorstellen. Aber ich hab letztens die Braut getroffen und die hat mir erzählt, dass sie noch heute, zwei Jahre nach der Hochzeit, auf ihren Tanz angesprochen werden, dass der so toll war.

 

Gibt’s noch andere kuriose Fälle?

Ich hatte ein Paar im Tango Argentino. Leider lebt der Mann nicht mehr. Er war damals Mitte 70 und hat sich mit seiner Frau nur auf der Tanzfläche gestritten. Wirklich nur. Am Anfang dachte ich mir nur, um Gottes Willen. Irgendwann hab ich dann aber begriffen, dass die das immer machen. Italienisches Blut und die hatten noch richtig Feuer. Das war eine riesen Gaudi mit den Beiden.

 

Beim Kindertanzen kommt es doch bestimmt auch immer zu lustigen Situationen…

Oh ja. Ich gebe den Kindern am Ende der Stunde immer eine kleine Süßigkeit. Das eine Mal hatte ich denen gesagt, dass wenn sie ihren Eltern im Haushalt helfen, sie das nächste Mal die doppelte Portion bekommen. Drei Kinder haben das wirklich gemacht und die Mütter haben es bestätigt. Eine Mutter meinte nur ganz trocken: „Kannst du dat auch mit Samstags länger schlafen machen.“ (lacht)

 

Thema Fernsehen: Sind Tanzshows für Tanzstudios eher ein Fluch oder ein Segen?

Prinzipiell sind Tanzshows gut, denn sie zeigen mal wieder, dass es noch etwas gibt, das in unserer Kultur etwas an den Rand gedrängt wurde: die Standardsachen. Außerdem wird gezeigt, was man alles innerhalb kürzester Zeit lernen kann.

 

Sie sagen, dass die Standardsachen teilweise verloren gehen. Muss man tanzen können, muss die Walzerschritte beherrschen?

(lacht) Natürlich muss man nicht tanzen können! Aber man verpasst eine Menge, wenn man es nicht kann. Es gibt dann irgendwann mal die Situation, dass man aufgefordert wird zum Tanz. Und wenn man es dann nicht kann, traut man sich nicht und im schlimmsten Fall sagt man: „Komm, lass uns lieber an die Bar.“ Das ist doch einfach schade. Wenn man die Grundbegriffe von Tänzen nicht kann, entgeht einem echt viel.

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